Anleitung für ein richtig schlechtes Bewerbungsschreiben

Wenn Sie mal eine richtig schlechte Bewerbung schreiben möchten, müssen Sie dabei einiges beachten: Sie sollten unbedingt den Namen des potenziellen Arbeitgebers falsch schreiben und in der Anrede „Herr“ verwenden, auch wenn die Bewerbung an eine Frau geht.

Und geben Sie im „Betreff“ einen ganz anderen Beruf als den gesuchten an. Ein zwei bis drei Jahre zurückliegendes Datum auf dem Lebenslauf ist auch schön und passt gut zu einem uralten Foto. Private Fotos mit Ihrem Haustier oder vom letzten Strandurlaub sind für eine miserable Bewerbung ebenfalls sehr gut geeignet.

Machen Sie blöde Fehler, wie „mittelständig“ statt „mittelständisch“ oder „Exxel“ statt „Excel“.

Kündigen Sie Ihre Bewerbung im Anhang an, schicken die Mail aber ohne Anhang los.

Oder scannen Sie Ihre Zeugnisse kaum lesbar, am besten ab und zu eins auf dem Kopf stehend.

Schicken Sie aber auf jeden Fall ganz alte und überflüssige Bescheinigungen mit, z. B. über ein Praktikum im Tierheim in der 7. Klasse.

Vergessen Sie Ihre Adresse; wozu soll der Arbeitgeber denn wissen, wo sie wohnen. Und geben Sie Ihre Mobilnummer an, schalten dann aber die Mailbox ab.

Im Lebenslauf erwähnen Sie zwar die bisherigen Arbeitgeber, hüten sich aber davor, ihre Tätigkeit genauer zu beschreiben. Soll der Leser doch mal raten, ob sie im Controlling oder in der Telefonzentrale gesessen haben.

Und wenn der Arbeitgeber sich dann immer noch nicht abschrecken lässt, können Sie ja zum Bewerbungsgespräch zu spät und schlampig gekleidet kommen.

Falls Sie jetzt denken, dass ich mir das nur für diesen Blog ausgedacht hätte, muss ich Sie enttäuschen: Ich habe gerade für eine Firma die erste Sichtung der Bewerbungen für eine kaufmännische Stelle gemacht und alle diese tollen Tipps nur aus echten Bewerbungen abgeschrieben.

Und wenn ich früher nicht glauben wollte, dass ein Arbeitgeber sich Bewerbungen nicht länger als eine Minute ansieht, so ist mir nach der Erfahrung dieser Woche klar geworden: Für manche Entscheidungen reicht tatsächlich der erste Blick.