Die Bewerbung durch Zitate aufhübschen? Lieber nicht!

Jeder, der schon einmal eine Bewerbung geschrieben hat, weiß, dass man sich damit im allerbesten Licht darstellen will. Und um die eigene philosophische Weltsicht oder auch nur die besondere Allgemeinbildung unter Beweis zu stellen, garnieren manche Bewerber ihre Unterlagen mit Zitaten von berühmten Persönlichkeiten. Im Internet ist schnell etwas Passendes gefunden und schon ist die Bewerbung aufgewertet. Das kann allerdings nach hinten losgehen, wie ich gerade in einer Bewerbungsberatung erleben konnte.

Der junge Mann, fast mit seinem Studium fertig, legte mir seine Bewerbungsmappe vor, die auf den ersten Blick einen guten Eindruck machte: sehr nobel, schönes Papier, ansprechende Gestaltung. Auf dem Titelblatt prangte ein englisches Zitat. Dahinter in Klammern „Napoleon“. Ich war verblüfft und fragte: „Konnte Napoleon englisch?“

Nun war der Student irritiert. Das wisse er nicht, er habe das Zitat im Internet gefunden. Ich hakte noch mal nach, von welchem Napoleon genau denn das Zitat ist? Ach, da gab es mehrere?

Auweia. Da hatte er aber Glück, dass er nicht in einem Vorstellungsgespräch saß.

Die Mode, Bewerbungsunterlagen mit Zitaten und Spruchweisheiten zu garnieren, ist nicht neu und erweist sich leider als sehr langlebig. Vor zehn Jahren hatten Personaler regelmäßig die Legende von der Hummel zu lesen, die nach physikalischen Gesetzen gar nicht fliegen könne, das aber nicht wisse und es trotzdem tue.

Spätestens beim Auftauchen in einer zweiten Bewerbungsmappe war die Geschichte nicht mehr originell. Außerdem fragt man sich natürlich, was denn der Bewerber mit so einem Beispiel sagen will: Ich weiß nicht was ich kann, tue es aber trotzdem? Mal ehrlich, stellen Sie so jemand ein?

Und wozu werden berühmte Persönlichkeiten zitiert? Will da jemand seine innere Verbundenheit zum Zitierten zeigen? Was heißt es dann, wenn er Napoleon zitiert? Dass er demnächst sein persönliches Waterloo erwartet?

Zitate sollen Bildung und Belesenheit dokumentieren. Und weil man nicht so belesen ist, wie man gern scheinen möchte, sucht man sich eine schöne Zeile aus dem Internet. Die ist schnell kopiert.

Doch zwei Dinge muss ich auf jeden Fall leisten: zum einen sollte ich überlegen, was ich mit diesem Zitat dem Arbeitgeber sagen will, warum es also in meiner Bewerbung steht, und zum anderen muss ich recherchieren, ob es tatsächlich vom Zitierten stammt. Denn zuverlässig sind die bequemen Internet-Sammlungen nicht. Das aufmunternde „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen,“ wird in den Zitat-Datenbanken wahlweise Johann Wolfgang von Goethe und Erich Kästner zugeschrieben. Und nun? Ab in die Bibliothek, nachschlagen und herausschreiben, „denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Das ist von Goethe. Ganz sicher.

Wenn Sie sicher gar nicht erst in die vielleicht peinliche Situation bringen wollen, im Vorstellungsgespräch auf das Zitat in Ihrer Bewerbung angesprochen zu werden, lassen Sie es einfach weg. Sie bewerben sich! Und Sie werden alle mit Ihrer eigenen Persönlichkeit überzeugen!